Bulgarisch – ein kleines Fazit

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/05/Bulgaria_in_European_Union.svg/561px-Bulgaria_in_European_Union.svg.png 15.11.2013, 16:10 Uhr

Da ich ja jetzt schon seit einigen Wochen Bulgarisch mache, möchte ich mal ein kleines Fazit ziehen und die Sprache mit den anderen slawischen Sprachen vergleichen, die ich gelernt habe.

Zunächst mal eine kleine Klarstellung für die Slawistik-Laien: Bulgarisch ist eine südslawische Sprache. Unter den südslawischen Sprachen kann man auch noch so weit gehen und Bulgarisch als südostslawische Sprache bezeichnen, wozu übrigens auch noch das Makedonische zählt (by se way: warum schreibe ich maKedonisch und nicht maZedonisch? Auch darüber gibt es verschiedene Lehrmeinungen. Ich denke, dass das Wort Makedonija aus dem Griechischen kommt, deshalb spreche ich ein K aus. Und außerdem heißt es auf makedonisch auch makedonski. ).

Erfreulicherweise hat sich die Kasusbildung im Bulgarischen zurückgebildet und deswegen müssen wir heute nur noch vereinzelt unterschiedliche Formen von Nomen und Fragewörtern lernen – anders als im Russischen, wo es sechs, oder im Kroatischen, wo es sechseinhalb Fälle gibt(andererseits, nach drei Jahren Slawistikstudium hab sogar ich allmählich die Fälle gelernt). Nein, wir Bulgarisch-Studenten lernen nur noch Singular und Plural 🙂

Außerdem gibt es im Bulgarischen eine Besonderheit unter den slawischen Sprachen: der angehängte bestimmte Artikel. In Südosteuropa gibt es das noch bei Rumänisch, Albanisch und Türkisch(die vier Sprachen sind alle nicht direkt miteinander verwandt) und das war der Anlass für eine wunderschöne, hoch interessante Theorie, den Balkansprachbund. Weil ich das nicht kurz erklären kann, möchte ich euch bitten, bei Interesse hier weiter zu lesen. (Auch das mit den fehlenden Kasi gehört zu den Besonderheiten des Balkanssprachbunds. )

Eine weitere Besonderheit ist der Wegfall des Infinitivs. Auch das hat mit dem Balkansprachbund zu tun. Im Kroatischen zum Beispiel habe ich Infinitive. Nehmen wir das deutsche Wort lernen. Auf Kroatisch heißt das in der Infinitivform učiti. Učim, učiš, uči, učimo, učite, uče. Auf Bulgarisch geht es so ähnlich, nur dass es keinen Infinitiv gibt. Im Wörterbuch steht die erste Person Singular.

Lexikologisch gesehen gibt es viele Turzismen(z.Bsp: kilim – Teppich), und wenn ich Bulgarisch mit Kroatisch und Russisch vergleiche, stelle ich fest, dass es einige Worte gibt, die mit dem Kroatischen übereinstimmen, andere stimmen jedoch mit dem Russischen überein oder sind diesem näher.

Bulgarisch wird übrigens (und das eigentlich ausschließlich, nicht wie Serbisch in Serbien halb-halb) mit einem kyrillischen Alphabet geschrieben, das dem russischen näher ist. Außerdem gibt es einen Buchstaben, der anders ausgesprochen wird als im Russischen: das щ. Im Russischen dient es ja immer zur Veranschaulichung, dass man im Deutschen einen russischen Buchstaben mit sieben deutschen (lateinischen) Buchstaben transkribieren muss. Im Bulgarischen spricht man den Buchstaben scht aus, braucht also nur vier 😉 Wobei es allerdings einen Unterschied zwischen wissenschaftlicher Tranliteration und Transkription gibt: die wissenschaftliche Transliteration versucht nicht, Laute mit den Buchstaben einer anderen Sprache zu imitieren. Deswegen schreibt man als Wissenschaftler nicht Chruschtschow, sondern Hruščov. (Hättet ihr das noch lesen können? 🙂 )

Bevor ich meine Leser vollständig vergraule, möchte ich das mal abschließen. Ich hoffe, euch hat mein kleiner Exkurs in die bulgarische Sprache gefallen 😉

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