Rezension: Margaret Atwood – Der Report der Magd

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Margaret Atwood hat es geschafft, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben für einen dystopischen Roman interessiert habe. „Der Report der Magd“ („The Handmaid’s Tale“) wurde 2017 als Serie neu verfilmt und der Trailer bei Netflix hat mich neugierig gemacht.
In „Der Report der Magd“ befinden wir uns im im späten 20. Jahrhundert (aus damaliger Sicht in der Zukunft, denn der Roman erschien 1985) und lauschen den Erzählungen der Magd Desfred (im Original Offred), die keinen eigenen Namen mehr tragen darf und dem Zweck der Fortpflanzung dient. Sie lebt in einem theokratischen Regime, das in den ehemaligen USA von christlichen Fundamentalisten aufgebaut wurde. Frauen sind in dieser Gesellschaft weniger wert als Männer und dürfen beispielsweise kein Geld mehr besitzen.

Die „Kaste“ der Mägde ist dazu da, für eine Erhöhung der Reproduktionsrate zu sorgen – sie werden verschiedenen „Kommandanten“ zugeteilt, deren Frauen unfruchtbar geworden sind. Wodurch, ist nicht ganz klar. Drei Chancen haben die Mägde, schwanger zu werden, danach werden sie in die Kolonien abgeschoben, um zum Beispiel Giftmüll aufzuräumen.

Desfred beschreibt zunächst, wie ihr Leben im Haus des Kommandanten aussieht, was alles verboten ist und was sie darf (Spoiler: die erste Liste ist viel, viel länger.). Unzüchtige Kleidung ist verboten, Kosmetik, alles Eitle, alles Lüsterne, Sex findet nur noch in der Ehe statt. Desfred erzählt vom Umerziehungslager und von ihrem früheren Leben, einem für uns normalen Leben, und äußert ihre Bedenken: in ein paar Jahren kommen die, die nicht mehr umerzogen werden müssen, die es gar nicht mehr anders kennen.

Einige Szenen sind sehr abschreckend und lassen der Figur dabei trotzdem ihre Sympathie, zum Beispiel als sie mit den anderen Mägden gemeinsam mit bloßen Händen einen verurteilten Vergewaltiger hinrichten „darf“, sich aber entsetzt abseits hält. Sie betrügt im Laufe der Handlung ihren Mann, von dem sie nicht einmal weiß, ob er noch lebt, mit dem Chauffeur, aber trotz allem bleibt die Hauptfigur sympathisch. Denn ihre Handlungen sind menschlich, sie versucht nur, in dieser feindlichen Umgebung zu überleben, irgendwie weiter zu machen.

Die Stimmung des Buches ist beklemmend. Wer denkt, am Ende würde das Regime gestürzt oder Desfred wenigstens schwanger und damit sicher, ist naiv. Eine drohende Zukunftsmusik hat Margaret Atwood in den Achtzigern verfasst. Mittlerweile sind wir über diese Zeit hinaus und können fast froh sein, dass uns in den letzten Jahren das Lesen nicht verboten wurde, dass wir keine Uniformen tragen müssen und sagen dürfen, was wir denken, ohne zu befürchten, „errettet“ zu werden.

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