Semesteranfang

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Juhu, es ist so weit – ich habe endlich wieder Internet, das heißt ich kann euch endlich wieder interessante Dinge aus meinem Leben erzählen! *smile*

Einige meiner Leser interessieren sich auch dafür, welche Sprachen ich so in meiner Unilaufbahn erlerne. Da sind mittlerweile einige dazugekommen, die Liste hört sich sehr eindrucksvoll an und ist es eigentlich gar nicht.

Ich bin bei:

-Deutsch (als Muttersprachler)
-Englisch (5.-13.Schulklasse)
-Serbisch/Kroatisch (Niveau B2)
-Russisch (Niveau A2)
-Italienisch (bis jetzt Niveau A1)
-Rumänisch (rudimentäres Niveau A1)
-Französisch (Schulfranzösisch, ich würde mir da jetzt überhaupt kein Niveau attestieren, der Vollständigkeit halber zähle ich aber dazu. Immerhin hatte ich fast zwei Jahre Unterricht 😉 )
-Armenisch (im Selbststudium, mit Buch – also ebenfalls kein Niveau, ich übe noch die Schrift)
-Bulgarisch (dieses Semester neu, das Ziel ist Niveau A2, glaube ich)

Diese Liste sieht zunächst ja sehr eindrucksvoll aus (ich hatte euch vorgewarnt 😉 ). Zu Deutsch, Englisch und Französisch muss ich nichts mehr erklären, denke ich. Aber wo kommt der ganze Rest her?

Ich studiere Südslawistik im Hauptfach und Südosteuropastudien im Nebenfach. Von der Südslawistik her muss ich schon zwei bzw. drei Sprachen lernen: vier Semester Serbisch/Kroatisch (so heißt der Kurs) und zwei Semester Russisch. Bei Serbisch/Kroatisch überlegt man laut meiner Dozentin allerdings, den Kurs in BKS oder sogar BKSM umzubenennen. Das B steht für Bosnisch, das M für Montenegrinisch. Ich denke mal, früher hieß dieser Sprachkurs einfach Serbokroatisch, aber diese Sprache gibt es ja nicht mehr. Ich sage der Einfachheit immer Kroatisch – erstens habe ich keine Lust, da nachzuzählen, und zweitens ist es im Prinzip auch eher Kroatisch-Unterricht, weil unsere Dozentin Kroatin ist.
Ich habe mein Uni-Pensum für Serbisch/Kroatisch und für Russisch mittlerweile erfüllt, das heißt, ich habe in diesen Sprachen keinen Unterricht mehr.

Da ich in der Schule Latein von der siebten bis zur zwölften Klasse hatte und man für ein Slawistik-Studium leider kein Latinum, sondern zwei moderne Fremdsprachen braucht, musste ich mir da auch noch was überlegen. Es darf natürlich keine Sprache sein, die man in seinem Studienfach lernt, das wäre ja zu einfach. 😉
Ich hätte jetzt einfach einen Französisch-Kurs besuchen können, aber hey: ich bin an der Uni, da gibt es dutzende Sprachkurse. Und dann schaut man sich nach etwas Exotischerem um 😉
So kam ich zu Italienisch. Ich mache das als ASQ (Allgemeine Schlüsselqualifikation), das ist etwas, dass eigentlich alle Bachelor-Studenten machen müssen (zumindest die mit zwei Fächern). ASQ heißt, der Kurs wird nicht bewertet, du kannst dir aus einem Kurskatalog aussuchen, was du machen möchtest, aber du musst es eben machen. Sozusagen Wahlpflicht. Italienisch stand zum Glück drin.

Von den Südosteuropastudien her muss ich eine Sprache lernen. Das war zunächst Rumänisch. Ich habe sehr lange mit dieser Sprache rumgeeiert, es schließlich mit Müh und Not auf das Grundkurs-Niveau und ne 4,0 geschafft. Bei den Südosteuropastudien ist das so: man muss zwanzig Punkte in einer Sprache machen. Leider muss das EINE Sprache sein. Ich gebe das Rumänische leider zunächst erst mal auf, und mache meine zwanzig Punkte nun in Bulgarisch. Das fällt mir leichter, weil ich ja schon Kroatisch und Russisch gelernt habe. Außerdem hat es mich sowieso geärgert, dass ich drei Jahre lang Südslawistik studiert habe und von Bulgarisch, was ja auch eine südslawische Sprache ist, eigentlich nichts mitgekriegt habe. Rumänisch kann ich mir ohne Note im Zeugnis eintragen lassen – auch gut, auf die 4,0 bin ich sowieso nicht stolz.

Nebenher versuche ich natürlich immer noch, Armenisch zu lernen. Das Problem ist immer noch das gleiche: ich hab zu viele andere Sprachen nebenher, um mich darauf konzentrieren zu können. Außerdem habe ich keinen Lernpartner, nur das Buch. Und in Jena keinen Kurs an der Uni. Deshalb muss sich Armenisch leider immer noch hinten anstellen. Ich hoffe natürlich darauf dass sich das noch ändert.

Meine Uni-Kurse werde ich im Sommersemester abschließen und dann der Slawistik vermutlich ade sagen. Mal schauen. 😉 (Ich finde es nämlich irgendwie schade, dass das mit den Sprachkursen dann aufhören soll…)

So, jetzt wisst ihr, wie meine eindrucksvolle Liste zustande kommt. Ich bin nämlich durchaus kein Sprachgenie, auch wenn mir das manchmal attestiert wird.

Nostalgie

Geht es euch auch oft so, dass ihr euch eure Kindheit zurückwünscht? 
Als Kind, ich glaube ich konnte damals nicht einmal lesen, wollte ich auch schon alles noch einmal machen. Ich erinnere mich heute noch daran, wie ich einmal als Kind nachts nicht schlafen konnte und im Dunkeln in meinem Zimmer herumsaß. Von draußen schien das Flurlicht herein. Ich überlegte mir, was ich alles nochmal machen wollte. 
Später tat ich das selbstverständlich auch. Als ich in der Oberstufe im Mathematik-Kurs saß, dachte ich daran, wie ich mich schon in der vierten Klasse um die Mathe-Hausaufgaben gedrückt hatte und sie dann nachts mit einer Taschenlampe unter der Decke doch machen musste… sonst hätte ich am nächsten Morgen Ärger bekommen. 
Hätte ich öfter mal in mein Matheheft (und später meinen Ordner) geschaut, hätte ich wohl später bessere Noten geschrieben. Hätte ich in Latein mal Vokabeln und die Verbformen gelernt, hätte ich wohl bessere Übersetzungen geschrieben. (Mit Schaudern denke ich heute noch an einige Kursarbeiten, in denen ich den Sinn lateinischer Texte total verstümmelte. Zum Beispiel die Geschichte, in der ich vollkommen überzeugt war, sie handelte von Hühnern, die an Bord eines Schiffes eingezäunt waren. In Wirklichkeit handelte die Geschichte von Menschen an Bord eines Schiffes, die sich in Frösche verwandeln.) Heute, wo ich Italienisch und Rumänisch an der Uni lerne, würde ich gerne manches Mal mein früheres Ich an den Hinterkopf schlagen- ich könnte einige Vokabeln, die ich aus dem Lateinunterricht ganz sicher kennen müsste, gebrauchen. Ich glaube, mein Lateinlehrer von damals würde auch den Kopf schütteln, wenn er wüsste, dass ich jetzt im Studium gleich vier Sprachen lerne. Damals attestierte er mir mangelndes Sprachtalent. Das war es aber nicht. Nein, mein früheres Ich war einfach nur total faul. 
Deswegen appelliere ich an alle Schüler, auch wenn ich weiß, dass das sowieso nichts bringt. Wir müssen das selbst lernen. Zum Glück brauche ich das Latinum, das ich nach sechs Jahren Lateinunterricht irgendwie doch nicht bekam, nicht für mein Studium. In der Slawistik muss man nämlich zwei moderne Fremdsprachen gelernt haben. Deswegen sitze ich heute im Italienisch-Kurs und freue mich, dass ich einen Grund gefunden habe, Italienisch noch bequem an der Uni zu lernen. Ich weiß, das sagen viele, aber es stimmt: die beste Gelegenheit zum Lernen nicht ganz so geläufiger Sprachen hat man an der Universität- später ist es viel schwieriger. 
Und in den Semesterferien schaue ich ab und an noch in mein altes Lateinbuch und denke zurück an Rufus aus Pompeji und Apollodorus, einen griechischen Sklaven, der freigelassen wird 🙂

Habt ihr auch Sprach-Erlebnisse aus der Schule oder aus der Universität? 🙂